Social Media Monitoring - Maik Meid

Blogparade: Social Media Monitoring in der Sozialwirtschaft

Ach, es gibt so viele schöne Blogparaden. Wenn man doch mehr Zeit hätte…. Aber eine, die passt doch richtig gut in meinen Alltag und da sowieso gerade Feierabend ist und Kairos eine wunderbare Einstellung ist:

Ab dafür!

Danke Mike Schnoor für den Aufruf, sich mit “Social Media Monitoring und Social Media Analytics” auseinanderzusetzen. Noch sind ja ein paar Tage Zeit.

Vorweg ein Geständnis: Mein Name ist Maik, ich beschäftige mich beruflich auch mit Social Media Monitoring und ich war NICHT beim MonitoringCamp 2014. Ja, das gibt’s. Das hatte Gründe. Denn, ich konnte einfach nicht und außerdem – trotz aller BarCamp Euphorie – war ich einfach mal nicht in der Stimmung. Stimmung? Ja, denn Barcamps sind toll. Ich mag sie wirklich und nehme immer eine Menge mit. Sie haben aber auch oft was von „schlecht fühlen“ am Ende. Und das wollte ich vermeiden, denn meine thematischen Erfahrungen und Erlebnisse in den vergangenen Monaten sind eher ambivalent.

Setzen wir den Fokus: Reden wir von der Sozialwirtschaft.

Das ist mein Geschäftsgebiet und da kenne ich mich ein bisschen aus. Hinter der Sozialwirtschaft stecken Organisationen, die unter anderem subsidiäre Dienstleistungen für den Staat übernehmen und diesen somit entlasten, weil sie diese Jobs günstiger und in den meisten Fällen besser organisiert bekommen. Dieser sogenannte Dritte Sektor ist in Deutschland ein riesiger und wirklich relevanter Markt, der ähnlichen Gesetzmäßigkeiten unterworfen ist wie die anderen Sektoren. Die größten Player dabei sind Diakonie, Caritas, die Arbeiterwohlfahrt und Tausende kleinerer Vereine. Was die wenigsten Außenstehenden wissen: Sie unterliegen ebenfalls und immer stärker dem multiplen Wettbewerb. Sowohl im Fundraising, der Produktentwicklung und besonders dem Personalmarketing und Recruiting. Nachwuchsgewinnung ist Thema!

Für alle diese Faktoren ist ein gut geplantes Monitoring besonders wertvoll. Beziehungsweise es KANN besonders wertvoll sein. Reputationsmessung, Alarmierungen zur Früherkennung des Krisenfalls und der Lokalisierung von Zielgruppen: Alle diese Faktoren spielen eine Rolle. Zu diesem Zweck gründen wir gerade ein Unternehmen, das besonders Nonprofits und Unternehmen der Sozialwirtschaft beim Monitoring unterstützen soll. Das funktioniert auch schon gut für den Anfang.

Aber dies kommt – und das ist auch der Grund für den Post – dort kaum an, wo es besonders wichtig ist. Die Realität ist bei Nonprofits zu einem nicht geringen Teil, man könnte auch behaupten dem Großteil wirklich erstaunlich. Das wusste ich vorher, denn ich bin seit über 20 Jahren im einschlägigen Bereich tätig, aber Vieles ist mir in den letzten Wochen noch mal besonders deutlich geworden:

Social Media - Maik Meid

Social Media ist ´ne fiese Sache und Teufelszeug für viele Unternehmen aus der Sozialwirtschaft

Nonprofits haben Angst vor dem Netz

Ein paar Thesen, die gerne diskutiert werden dürfen: In vielen Einrichtungen leisten langjährig erfahrene Kolleginnen und Kollegen in den Abteilungen für Öffentlichkeitsarbeit ihre Arbeit. Sie haben am Schneidetisch angefangen, die Computerrevolution erlebt und nun kommt auch noch das Netz hinzu. Die Pressemitteilungen sind und bleiben auf lange Zeit noch die entscheidenden Kommunikationsmittel. Alles, was über den regionalen Tellerrand hinaus geht, ist uninteressant. Bei meinen Vorträgen zum Thema wird immer wieder deutlich, dass die gute alte Pritt-Methode immer noch Alltag ist: Kollegen kommen mit zufällig gefundenen Zeitungsartikeln vorbei, diese werden kopiert und per Pritt-Stift verklebt. Für die Jahrespresseschau. Nur wenige nutzen bereits einen Clipping-Service. O-Töne? „Unsere Kollegen sind besser als irgendein teuer eingekaufter Service.“ Wenn es einen jungen Kollegen gibt, der zufällig privat Google Alerts geschaltet hat, so ist dies schon besonders.

Social Media? Ja, aber…

Facebook-Seiten gibt’s. Twitter kaum, die Bedeutung von Google+ wird nicht verstanden. Auswertungen werden flächendeckend nicht benötigt. O-Töne?

„Wir nutzen das nur für unsere Pressemitteilungen, alles andere ist uns egal.“
„Wir brauchen unsere offenen Stellen nicht bewerben. Man kennt uns doch und will bei uns arbeiten.“

Mir ist eine große und wirklich relevante Einrichtung bekannt, die ihre funktionierenden und gut abonnierten Social Media Kanäle einfach eingestampft haben, da sie nur Arbeit machen und nichts bringen. Keine Frage, wenn der Investitionsfokus auf der Printpressearbeit liegt und fast fünfstellige Summen für Stellenanzeigen in einer regionalen Tageszeitung zur Besetzung einer Teamleitungsstelle im ambulanten Betreuungsbereich ausgegeben werden. Website-Relaunchs dauern gerne mal fünf Jahre oder länger. Die Ruinen sind allerdings bis heute online. Social Media ist Teufelszeug, nicht bloß allein auf Grund des Kontrollverlusts.

Erinnert Ihr euch? Das sind all die Argumente und Diskussionen, mit denen wir Blogger uns bereits vor drei oder vier Jahren beschäftigt haben. Jetzt kommen sie so langsam an. Problem ist nur, man versteht die Welt nicht mehr und will sie teilweise auch nicht verstehen, geschweige denn investieren. Lediglich 65 Prozent der beim Stiftungsverband registrierten Stiftungen besitzen überhaupt eine Website.

Und was willst du uns jetzt damit sagen?

Zwei Dinge: Es gibt Ausnahmen. Tolle Ausnahmen sogar. Einzelne diakonische Einrichtungen gehen nach vorne, investieren in digitale Kanäle und auch ins Monitoring. Sie haben verstanden, welch unschätzbar großer Vorteil die rechtzeitige Alarmierung vor oder während einer Krise sein kann. Große spendenfinanzierte Vereine und Organisationen haben Online-Redaktionen mit Online-Marketern, denen man nicht erklären muss, was Monitoring-Reports sind und wie Alerts funktionieren. Sie sorgen dafür, dass sich was tut, aber auch im Dritten Sektor die digitale Schere weiter auseinander geht. Auf der einen Seite die realistisch Innovativen, auf der anderen Seite eben die Anderen. Sie werden es schwer haben.

Ich denke, wir als selbsternannte „Experten“ haben immer noch den Blick von in der Filterblase nach außen. Social Media Monitoring und Analysis ist gut und wichtig, ganz egal welches Tool und Investment nun zum Einsatz kommt. Aber Menschen und Organisationen in der Sozialwirtschaft davon zu überzeugen ist und bleibt sportiv. Bleiben wir dran. Unterstützen wir die Willigen. Sie haben es verdient, denn sie machen eine großartige Arbeit. Ich glaube an die Sache. Werden wir nicht müde, zu überzeugen.

Preislich, inhaltlich und vor allem ganz pragmatisch.

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