Fast reingefallen auf Facebook

Ich bin ja regelmäßig bemüht, Kenntnisse über’s Netz als absolutes Muss zu beschreiben, da mit dieser Veränderung einfach so viel einhergeht. Und persönlich werde ich ja auch nicht müde zu betonen, wie wichtig das Anschaffen von Medienkompetenz für Menschen auch über 50 Jahre ist. Dies ist nicht nur vorteilhaft für die eigene Kommunikation, es erschwert auch die Versuche, sich von Menschen im Netz betuppen zu lassen und um die eigene Kohle zu bringen.

Aber, man ist dennoch nicht vor Überraschungen verschont. Es kann wirklich jeden treffen. Auch den digital versierten Menschen, egal welchen Alters.

Nehmt das hier als ernst gemeinte Warnung.

Vor ein paar Tagen. Auf dem Weg nach Hause von einem Vortrag in SÜddeutschland. Knapp 600km liegen hinter mir und pünktlich um 23.45 Uhr fahre ich zu Hause vor. Kurz das digitale Fahrtenbuch abgespeichert und – plingplong – meldet sich die Facebook App auf dem Smartphone. Ein sehr geschätzter Kollege mit einer Freundschaftanfrage. Wir kennen uns seit Jahren, zwar nicht wirklich gut, aber man kennt sich halt und tauscht sich regelmäßig aus. Nanu, denk‘ ich mir, habe ich den nicht schon vor Jahren geklickt und akzeptiert?

Na, wird wohl was passiert sein, dass das jetzt so ist, wie es ist. Klar, kurz geklickt und – plingplong – sofort die Antwort des Kollegen. Er bedankt sich artig für den Klick und entschuldigt sich gleichzeitig dafür. Er habe mich aus Versehen entfreundet. Passiert, denke ich mir. Ob ich ihm bei einer Sache helfen könne. Klar kann ich, denke ich mir auch. Aber nicht mehr jetzt. Sechs Stunden Autofahrt und so kurz vor Mitternacht sagen mir: Ab ins Bett. Morgen antworte ich ihm.

Nächster Tag, am Morgen.

Ich schicke ihm – plingplong – via Facebook Messenger eine Nachricht und frage, wie ich ihm denn weiterhelfen könne.
Erst mal keine Antwort. Die kam am Nachmittag. Ob ich jetzt online sei. Ja, bin ich, aber nur auf dem Smartphone. Worum geht’s? Er müsse etwas (beruflich?) online kaufen und habe in seiner aktuellen Situation sein Bankzeugs nicht parat. Ob ich ihm fünf Paysafekarten auf einer verlinkten Website bestellen könne und ihm die Codes zumailen würde. Oder aber alternativ an der Tanke kaufen könnte. Insgesamt kommen die Karten auf 500,- EUR. Wenn es klappt, dann würde er mir morgen bis 11 Uhr 550,- EUR zurück überweisen.

Klick auf die Seite via Smartphone. Hmm, sieht jetzt irgendwie nicht besonders komisch aus, aber auch nicht wirklich professionell. Aber den Onlinekaufwunsch traue ich ihm zu. Er ist Geschäftsführer eines Vereins und weiß der Geier, was er bei welcher Plattform für die Arbeit wo auch immer geschossen hat. Kann schon hinhauen.

Er fragte noch mal nach, ob’s denn gehen könne.

Jetzt hatte er Pech, denn ich war zu diesem Zeitpunkt in einer doofen persönlichen Situation. Er erwischte mich sehr unpassend im Krankenhaus. Und ich hatte das Smartphone eigentlich auch nur in der Hand, um eine sehr unangenehme Wartezeit zu überbrücken. Mein Kopf war wo anders. Ich schrieb ihm das. Und ich fragte ihn, bis wann er die Karten bräuchte.

Kurz und knappe Antwort

Eine Stunde Zeit. Okay, vielleicht passt auch das. Dachte ich mir so. In meinem Dusel und trotz Generalkritik an der Aktion an sich.

Aber ich sagte ihm ab.

Nachdem ich absagte, hakte er noch mal nach. Es ginge auch via Amazon. An dieser Stelle brach ich die Kommunikation ab. Ich versprach mir selbst, dass ich mich am Nachmittag telefonisch bei ihm melden werde, wenn die Krankenhaussituation vorbei ist.

Dazu kam es dann nicht.

Aber in Ruhe ließ mich das doch nicht. Am Nachmittag schaute ich mir das Facebook-Profil des „Kollegen“ an und fiel aus allen Wolken. Da stimmte was nicht. Es waren einige gemeinsame Freunde online versammelt, aber die hinterlegte Mailadresse war kurios. Keine Angaben, die sonst für ihn typisch gewesen wären. Im Gegenteil. Sogar einige eher unwahrscheinliche Angaben waren dazwischen.

Mir fiel es wie Schuppen von den Augen: Das war ein echter Betrugsversuch, und der Kollege weiß bestimmt nichts davon. Ich war zu diesem Moment fest davon überzeugt, dass sein Facebook-Profil entweder gekapert wurde oder aber öffentlich zugängliche Daten von ihm für ein neues Profil genutzt wurden. Schnell Bildschirmfotos gemacht, um den Dialog zu dokumentieren.

Ich schicke ihm über ein anderes Netzwerk eine Nachricht und bekomme prompt eine Nachricht, dass ihn bereits ein weiterer gemeinsamer Kollege darauf aufmerksam gemacht hat und er sowohl Strafantrag gestellt habe als auch gestern viel Gerenne hatte.

Ich wäre wirklich fast drauf reingefallen, obwohl mein Bauch intensiv gegrummelt hat. Solch einen Vertrauensvorschuss hat dieser Kollege bei mir. Es ist nicht dazu gekommen, weil die zufällige private Drucksituation im Krankenhaus in diesem Moment andere Prioritäten gesetzt hatte. Wäre dies nicht gewesen, hätte ich vielleicht doch zur Bestellung gegriffen.

Warum grummelte der Bauch?

Vielleicht deshalb:
Es passte nicht zum Kollegen, mich um 23.45 Uhr via Facebook um einen Gefallen zu bitten. Er benutzte keine Umlaute. Aus ü wurde ue, aus ä ae. Aber die Sprache passte. Wobei es doch zu viele jugendsprachliche Elemente gab.
Sein Akku war leer am Abend, aber warum rief er nicht am Morgen an?
Er ist Fundraiser. Er weiß, dass das mit den Terminüberweisungen nicht soo einfach ist. Und 10 Prozent Marge sind etwas viel. Normalerweise wäre es ein Gefallen gewesen, der überhaupt keine Marge benötigt hätte.
Die Zielwebsite: Kannte ich nicht. Sah nicht seriös aus. Nie von gehört.
Und er hakte mir zu viel nach. Baute Druck auf. Und das passte nicht zu ihm.
Er erwähnte einen Direktzahlungsanbieter. Das hakte auch irgendwie bei mir. Sorry, lieber Kollege, aber ich glaube nicht, dass du den kennst.

tl;dr: Fazit

  • Passt auf eure Passwörter auf!
  • Kontrolliert, was um euch herum geschieht.
  • Vertraut niemandem per Web. Wenn etwas schwierig scheint, greift zum Hörer und ruft den Menschen an.
  • Und vor allem: Glaubt eurem Bauch. Der hat in den meisten Fällen recht.

Wie es weiter gegangen ist?

Weiß ich leider nicht. Aber wenn, dann erfahrt Ihr es.