Burn - Maik Meid

And it burns: Fever!

RSS ist tot? Von wegen. In meinem persönlichen Alltag spielen RSS-Feeds immer noch und immer wieder eine große Rolle. Soziale Netzwerke haben eben nicht die täglichen Dopamin-Schübe abgelöst, die durch automatisierte Abonnements von lohnenswerten Websites herein kommen. Die Fundraisingwoche wäre ohne die eingeschworenen Lese-Markierungs-Archivierungsprozesse in dieser Form nicht denkbar.

Vor einer gefühlten Urzeit hat Google das Standardwerk der Feed-Abos, den Google Reader, vermutlich aus monetären Gründen abgeschossen.

Ende, aus. Und der Aufschrei war groß.

Das ging damals vielen Kolleginnen unter die Haut. Und noch heute findet man rückblickend nicht unbedingt nette Worte gegen den Internetgigangen. Man schaute links und rechts, welche Alternativen so auf den Schirm kamen. Die RSS Welt diversifizierte sich (gut!) und als gefühlter Sieger ging Feedly hervor. Aber auch andere kleine Dienste bekamen Chancen und neue Anhänger.

Aber wie es denn so ist, verändern sich Dienste auch. Ich ging zu feedly. Weil es so schön einfach war. Einmal klicken und das ganze Archiv vom Reader übernehmen.

Der erste Schlag kam aber dann, als Feedly Pro-Mitgliedschaften einführte. Ich zahle gerne für gute Dienste im Netz, aber hier war mir noch nicht ganz klar, warum ich zahlen sollte. Die im Basis-Paket vorhandene und viel genützte Verknüpfung zu Evernote kann man auch via Prittstift ifttt lösen. Aber als Feedly dann eine künstliche Bremse einführte und Gratis-Kunden Feeds zeitversetzt zuschickte, wurde es aus meiner Sicht schwierig, denn Mitbewerber taten dies eben nicht.

Hinzu kam, dass mir auffiel, dass ich über Tage von bestimmten Feeds nichts mehr erhielt, obwohl sie publizierten und sie dadurch immer wieder manuell neu hinzugefügt werden mussten.

Doof. Alternative musste her.

Währenddessen gingen in Netz und Fachpresse immer weiter Diskussion herum, die sich für eine Diversifizierung in der Nutzung von Clouddiensten aussprachen. Sprich: Weg von den großen Anbietern, bei denen alles liegt. Hin zu mehr Datenautonomie. Im Kleinen geht dies sehr schnell: Weg von Gmail, weg von Google Calendar und so weiter. Warum also nicht auf bei den RSS-Readern?

Voraussetzung: Reeder

Als absolutes Muss war, dass ein möglicher Anbieter meinen persönlichen Favoriten Reeder unterstützt. Reeder ist und bleibt seit Jahren eine Must-Have App für alle, die größere Mengen an Feeds verwalten wollen. Schön auf das Wesentliche reduziert und mit einem perfekten Workflow. Reeder wurde in den vergangenen Monaten überarbeitet und erschien nun auch in eine neuen Version für Mac OS. Und:

Reeder kann Fever!

Als weitere Variante für einen brauchbaren RSS-Feeder stand nach dem Google Reader Shutdown die kleine Applikation Fever im Raum. Fever unterscheidet sich darin, dass der Client auf einem eigenen Server oder Webspace installiert werden muss. Fever kostet aktuell 30 US-Dollar, die aber erst via PayPal fällig werden, wenn man getestet hat, ob der vorhandene Webserver oder Webspace Fever überhaupt hosten kann.

Das geht aber alles völlig einfach. Jeder, der schon einmal WordPress aufgesetzt hat, wird absolut keine Schwierigkeiten haben.

  1. Auf dem eigenen Webspace einen Ordner oder Subserver anlegen.
  2. Datenbank freigeben und Zugangsdaten merken
  3. Fever Package herunterladen
  4. Entpacken und auf den Webspace schieben
  5. Anleitung folgen, Datenbank Zugänge eingeben und Test laufen lassen
  6. Funktioniert es, dann zur Zahlung gehen
  7. Feeddaten aus anderem Anbieter exportieren (ging bei mir aus Feedly problemlos)
  8. Daten importieren
  9. Loslegen und unter z.B. fever.deinedomain.de Deinen eigenen Feedleser nutzen

Das oben schon gelobte Programm Reeder kann dann ganz einfach den eigenen Fever-Account laden und nutzen.
Der Name Fever stammt übrigens vom eingebauten Fieberthermometer. Ein witziges Feature, was ich persönlich aber kaum nutze: Unter den eingetragenen Feeds misst Fever, bei welchen Blogfeeds am meisten geht und welche auf Grund von verschiedenen Faktoren am heissesten sind. Fieber eben.

Mal zusammengefasst: Vorteile Fever

  • Datenhoheit liegt bei Dir
  • einfache Bedienung
  • gutes Gefühl
  • guter Support
  • kaum Einarbeitung notwendig
  • Abrufen der Feeds über Browser oder Clients wie Reeder
  • Installation risikolos in Bezug auf die Kosten

Also, alles gut?

Ja und nein. Es ist wirklich ein gutes Gefühl zu wissen, wo die Daten liegen und dass niemand auf den omniösen Aus-Knopf drücken kann. Aber es gibt für den Heavy User auch einen Nachteil. Fever „refresht“ seine Feeds erst beim Öffnen der Oberfläche. Dies kann dann schon eine Weile dauern, bis ein paar Hundert Feeds aktualisiert sind. Besser ginge dies im Live-Modus, wie z.B. bei feedly etc. Dafür sind jedoch Cronjobs notwendig, die auf dem Server laufen müssen und diesem zum Beispiel alle 30 min sagen, dass er sich aktualisieren soll.

Ich hab’s noch nicht hinbekommen, was zum einen sicherlich an meinen mangelnden Fähigkeiten liegt, oder aber an dem zu kleinen gebuchten Paket bei meinem Webspace Anbieter, der mir einfach keine Cronjobs erlaubt. Ich habe dann abgewogen und mittlerweile ist es für mich in Ordnung, wenn Reeder morgens, mittags und abends ein wenig Zeit braucht, um sich die Feeds zu holen. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Somit die Nachteile Fever:

  • keine Unterstützung auf Deutsch
  • Kostenfaktor 30 US-Dollar (die sich aber lohnen!)
  • eigener Webspace/Webserver notwendig
  • Cronjobs notwendig für automatische Synchronisierung
  • Keine ifttt-Verknüfungen möglich

tl;dr

Fever ist eine gute Alternative, seine RSS-Feeds auf eigenem Server eigenhändig zu verwalten und die Datenhoheit zu behalten. Die Kosten sollten zumindest den Heavy User nicht abschrecken, es zu versuchen. Also, Installationstipp. Als nächstes werde ich mal testweise versuchen, Fever auf meinem NAS aufzusetzen. Oder vielleicht doch eher mal die Cronjobs versuchen. Aber nur, wenn ich mal wieder vieeeel Zeit habe :-).

1 Antwort

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] other news: Ausgezeichnet aufgezeichnet: Live-Streams für NGOs fundraisingnetz.de: And it burns: Fever! Gizmodo: WhatsApp: Unmut wegen Bildrechten – (Fast) nur heiße […]

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.