Mann mit Bart

Online ist nicht Fundraising – Ein Rück-Rant

Beim letzten Mal ging es anders rum. Kai Dörfner entwickelte ein Manifest auf Grund eines Rants, den ich vor einiger Zeit auf sozialmarketing.de abgelassen habe.
Dieses Mal rante ich zurück, allerdings nicht gegen Kai, aber auf Grund dessen, was er geschrieben hat. Es ist also quasi ein Rant als Erweiterung dessen, was er geschrieben hat.

Kai hat heute in seinem Fundraising-Knigge über den „Mythos Online-Fundraising“ geschrieben. Das meiste von dem kann ich gut unterstützen und unterschreiben. Alles andere zum Artikel habe ich schon per Kommentar druntergeschrieben. Der Großteil der Kommentare dreht sich aber letztendlich auch um Begriffsdefinitionen, was Online-Fundraising nun sei und ob auch oder gerade besonders Online-Fundraising Dienstleister auch Online-Fundraising beinhalten, oder so.

Geschenkt. Darum geht es IMHO nicht!

Ich sehe es schon, es dauert nicht mehr lange und es gibt, vielleicht von Kai, vielleicht von jemand anderem, den nächsten Text. Dieser wird dann dieses „Social Media“ im Fundraising und/oder bei NGOs entzaubern und es werden wieder kluge und wahre Worte fallen wie den, dass es erfolgreiches Social Media Fundraising in Deutschland nicht gibt. Und dann wird es die einen geben, die sagen, dass es aber gerade nicht um die tatsächlichen Euros ginge sondern um den Beziehungsaufbau und so weiter und so fort. Dann wird Facebook kritisiert („Die vielen Jugendlichen interessiert das doch gar nicht mehr.“), dann Twitter („Wird eh nach dem Börsengang pleite gehen….“) etc. To be continued…

Pac Man in Vordingborg

Digitales gefangen in altbackenen Strukturen: Fail!

Das Problem ist aber ein ganz anderes.

Es geht nicht um Online-Fundraising. Es geht auch nicht um Social Media. Auch nicht darum, wie die neue Website aussehen muss. Es geht um viel viel mehr. Es geht darum, den ganzen Organisationen endlich klar zu machen, was mit der Digitalisierung auf sie zukommt. In welcher Form alte und patriarchische Strukturen hinterfragt werden. Wie überhaupt noch „Ehrenamt“ zu definieren sein wird. Wie sich die kommende Generation „Arbeit“ vorstellt und wie Stellen besetzt werden. Was Transparenz bedeutet und wie sie hinterfragt wird. Was die Macht der Menge bedeutet etc. Wie innerhalb von Unternehmen kommuniziert wird. Und diese Liste kann jetzt gerne zur Beliebe weiter geführt werden.

Und dabei geht es eben nicht um Online-Fundraising oder Social Media als weitere Kanäle.

Es geht auch nicht darum, ob es jetzt schon wieder eine tolle neue App gibt, mit der ich mein Mailing nun durch einen schicken QR-Supercode auch mit Video untermalen kann. B***sh**! Das macht kein Mensch und imponiert nur Vorständen oder selbstverliebten Fundraisern. Wenn überhaupt!
Es geht um einen grundsätzlichen Wandel in der Unternehmensführung, in den Köpfen und in den Herzen der Entscheidern. Große Tanker werden langfristig untergehen, und das wird nicht am schlechten oder fehlenden, guten oder hervorragenden Online-Fundraising liegen, sondern an der Qualität der Bereitschaft, sich auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen einzulassen.

Pfeift auf die 1-5% Umsatz aus Online-Spenden.

Lasst aber auch die Online-Dienstleister in Ruhe, denn sie machen meist einen guten Job, ihre aggressive Werbung hin oder her. Denn ohne sie hättet ihr die 1-5% Umsatz aber auch nicht. (Genau so wenig wie die durch Kaltakquise generierten Spender ohne Listbroking machbar wären, aber das ist ein anderes und analoges Thema.)
Falls ich mich nicht so ganz glücklich ausdrücken konnte: Mirko Lange konnte das vor einigen Tagen viel besser in einem Artikel bei der Huffpost. So ungefähr wollte ich das hier ausdrücken. Danke, Mirko, für diesen Input. Und, um es mehr oder weniger mit seinen Worten nach der Phase der Ernüchterung zu sagen: Social Media und Online-Fundraising sind tot. Es lebe Social Media und Online-Fundraising! Mehr denn je und mehr als sonst. Aber anders. Und komplexer. Und überlegter!

tl;dr

Es geht nicht um Online-Fundraising bei der Frage nach Online-Fundraising. Es geht um viel mehr!

Und jetzt Ihr! Glück auf!

1 Antwort

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  1. […] Heilsversprechen des Online-Fundraisings – die natürlich nie welche waren. Sondern vor allem Unkenntnis, Unwillen und hier und da Unfähigkeit auf Seiten von Entscheidern. Inzwischen sind hier und da Stimmen zu vernehmen, die recht fundiert […]

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