Zertifizierung

Offene Fragen zur Zertifizierung an den DFRV

Der Deutsche Fundraising Verband ist schon länger dabei, sich mit der Thematik der Zertifizierung von Fundraiserinnen und Fundraisern zu befassen. In der letzten Ausgabe der Fundstücke als auch nun online werden die ersten Informationen zum Vorgehen vorgestellt.

Ziel ist es, zum Fundraising Kongress 2013 Ende April in Berlin die ersten Zertifizierungsgespräche mit Bewerberinnen und Bewerbern zu führen. Langfristig gesehen könnte somit zum ersten Mal ein formeller Qualifikationsnachweis entstehen. Dies könnte, soweit es auch kommuniziert wird, ein erster Schritt in Richtung mehr Akzeptanz des Berufsstands führen.

Okay, zugegeben, es wäre ein sehr kleiner Schritt und es müsste verbunden werden mit einer intensiven Aufklärungsarbeit. Dennoch:

Ich hab da mal ein paar Fragen…

Grundsätzlich: Persönlich halte ich eine Art Zertifizierung von Fundraiserinnen und Fundraisern von sich aus für gut und bin froh, dass sich auf diesem Gebiet etwas tut. Es wird Zeit, dass Professionalität messbar wird. Als Nicht-Mitglied des Verbands werde ich allerdings nicht die Möglichkeit haben, mich selber zertifizieren zu lassen. Möglicherweise werden mir damit auch Kolleginnen und Kollegen vorhalten, dass ich somit auch kein Recht habe, kritische Fragen zu stellen. Ich möchte sie aber aus der persönlichen Situation heraus trotzdem stellen. Und vielleicht ist das Zertifizierungsprodukt ja so überzeugend gut, dass man sich überlegen kann, wieder einzutreten 😉 ?.

Unterstellen wir mal, ich könnte mich bewerben (Was ich mir ja wie oben beschrieben grundsätzlich vorstellen könnte…), dann treten bei der ersten Überlegung und Lektüre der Infos durch den Deutschen Fundraising Verband folgende Gedanken auf:

Arbeitsproben: Yeah!

Arbeitsproben sind gut und wichtig, keine Frage.
Zum 1.1.2013 habe ich meinen Arbeitgeber gewechselt. Dies hat zur Folge, dass viele Arbeitsproben, entwickelte Konzeptionen und Strategien vor Ort geblieben sind. Es geht nicht, einfach das Material des alten Arbeitgebers anzufordern und einzuschicken. Erstens würde ich sie gar nicht bekommen. Zweitens, weil dort sämtliche Kennzahlen drin stehen (dessen Monitoring und Reporting ich zwar selber entwickelt habe, aber natürlich nicht als Dienstleister sondern als Teil der Organisation). Drittens kann ich nicht auch die von mir entwickelten Fundraising-QM-Prozesse versenden, da diese nun wirklich Firmengeheimnis sind. Diese sollen zwar die Kompetenz des zu Zertifizierenden zeigen, können aber so in dieser Form gar nicht nachgewiesen werden.

Zertifizierung

Durch Zertifizierung ab nach oben?

Noch mal betont: Es ist eher unwahrscheinlich, dass ich bei einer Anfrage an meine alte Organisation die Materialien zur Verfügung gestellt bekomme, da es sich eindeutig um Unternehmensgeheimnisse handelt. Da es sich um eben diese handelt, habe ich diese nach meinem Wechsel natürlich auch nicht mitgenommen, da ich mich sonst strafbar gemacht hätte. Dies wird in jedem bekannten Arbeitsvertrag auch genau so fixiert.

In den „Fundstücken“ war die Rede davon, dass lediglich die vergangenen 1,5 Jahre für das Zertifizierungsmaterial berücksichtigt werden. Wenn ich die Zertifizierung also erst später, sagen wir in zwei Jahren mache, dann wäre mein letzter Arbeitgeber ja nicht mehr in der Bewertung. Bei meinem neuen Arbeitgeber tue ich nun andere Dinge und diese auf einem anderen Level. Bis dort handfestes zertifizierbares Material vorliegt, wird es dauern. Außerdem würde sich auch hier wieder die Frage stellen, was seitens des neuen Arbeitgebers eingesetzt werden dürfte und was nicht. Nebenbei: Wie gehen denn eigentlich zu zertifizierende Dienstleister mit der Frage um? Werden Konzeptionen für Kunden anonymisiert heraus gegeben?Diese Problematik betrifft insbesondere fast alle für die zur Zertifizierung notwendigen und ausgeschriebenen Kompetenzbereiche. In diesen Arbeitsproben stecken dann circa fünf Jahre Arbeit bei meinem alten Arbeitgeber: Prozessentwicklungen, Aufbau von Kennzahlensystemen, Reporting, Controlling, Abwicklung von Mailings, Testamentsangelegenheiten, TQE, Online-Strategien, Konzeptionen, Events etc.

„Warst Du nicht damals auch auf dem Kongress?“

Mal ehrlich: Viele der seit seit meinem hauptamtlichen Einstieg in Fundraising 2005 besuchten Veranstaltungen und Kongresse sind wirklich nicht mehr nachweisbar. Sowohl die als Teilnehmer, die als Organisator als auch die als Referent. (Nebenbei, werden die Referententätigkeiten genauso kreditiert wie Teilnahmen? Falls nicht, wie wird das nachgewiesen? Gibt es dafür schon ein Regelwerk?)

Vermutlich sind viele Kolleginnen und Kollegen in der sehr wechselfreudigen Fundraising-Szene in einer ähnlichen Situation.

Wer zertifiziert die Zertifizierer?

Eine eher globale Frage stellt sich aber auch noch. Vieles ist rund um das Zertifizierungsvorhaben zu lesen und zu hören. Aber, wer zertifiziert eigentlich wen? Welche Kompetenz haben die Zertifizierer? Wie wird man Zertifizierer? Müssen diese bereits über eine entsprechende Credit Point Höhe verfügen? Und wie und durch wen wurden die Zertifizierer zertifiziert? Dies kann doch eigentlich nur durch Dritte geschehen, beispielsweise durch befreundete Verbände aus den Reihen der EFA? Hier wären zum einen Namen schön und vor allem eine Transparenz in Sachen des weiteren Vorgehens.

Es wäre schade, wenn dieses Vorhaben bereits vor dem Start durch handwerkliche Fehler in die Knie geht. Daher unterstelle ich, dass meine Fragen keine Einzelfallfragen sind und diese schon von mehreren Interessierten gestellt wurden.

All dies nur mal so… als Gedankenanregung…. und vielleicht, ganz vielleicht gibt’s auch Antworten?
Freue mich auf eine Diskussion. Egal ob hier oder ganz persönlich auf dem Kongress in Berlin.

Hinweis: Zum Datum der Erstellung dieses Texts sind die Links auf der DFRV-Seite zu Checklisten etc. nicht klickbar. Möglicherweise stecken da hinter weitere Informationen, die mir nicht zugänglich waren.

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17 Antworten
  1. Ricarda
    Ricarda says:

    Lieber Maik, wie gewohnt und wunderbar stellst Du Fragen, die auch andere beantwortet haben wollen! Sehr gern werde ich Dir umfassende Antworten im Zuge der Zertifizierungseinführung geben! Schon morgen – nach unserer nächsten Vorstandssitzung sollten wir weitere Papiere und Empfehlungen zirkulieren können. Sei gespannt und herzlich Willkommen im DFRV!

    Antworten
  2. Christian Gahrmann
    Christian Gahrmann says:

    Liebe Ricarda, lieber Maik,
    ich hatte von den Zertifizierungsbemühungen des Deutschen Fundraisingverbandes noch gar nichts mitbekommen. Danke, Maik, dass ich durch Deinen Kommentar davon erfahren habe.
    Ich begrüße es natürlich, dass der Fundraisingverband durch die Zertifizierung die Qualität der Fundraiser in Deutschland sicherstellen möchte. Ich sehe dies im Übrigen als eine der Hauptaufgaben des Verbandes und finde, dass der Verband auf diesem Gebiet Hervorragendes leistet.
    Aber ich will doch nicht verhehlen, dass mich beim Lesen der Zertifizierungsregularien und auch der richtigen Einwände von Maik ein ungutes Gefühl beschleicht. Müssen wir denn alles messen, standardisieren und zertifizieren? Nicht nur Maschinen und Prozesse? Nun also auch noch uns selbst – in diesem Fall uns Fundraiser?
    Wenn argumentiert wird, dass die Zertifizierung nötig ist, um vor dem Hintergrund der vielfältigen Berufswege ins Fundraising die Qualität zu sichern, laufen wir dann nicht Gefahr, genau diese vielfältigen Einstiegswege, die dem Fundraising sicherlich gut getan haben und zum schnellen Wachstum dieser Branche beigetragen haben, zu verschließen? Ist der Umkehrschluss von „Zertifizierte FundraiserInnen gelten innerhalb der Branche als professionell und geachtet“ nicht vielleicht „Nicht-zertifizierte Fundraiser gelten als wenig professionell und geringer geachtet“.
    Die Offenheit des Berufsbildes „Fundraiser“ macht für mich dessen Faszination aus. Und ich möchte bei allen berechtigten Professionalisierungsbemühungen dafür plädieren, dass sie erhalten bleibt. Die Qualität von uns Fundraisern wird doch letztlich ohnehin – und zu Recht – an genau einer Kennzahl gemessen: den Spendeneinnahmen.
    Ich will nicht verhehlen, dass ich diesen Kommentar aus dem Bauch heraus geschrieben habe. Viele Argumente pro Zertifizierung habe ich wahrscheinlich nicht bedacht. Dennoch: Vielleicht bin ich altmodisch, aber reicht zur Qualitätsmessung nicht der Lebenslauf?
    Euch beiden einen geruhsamen und sonnigen Sonntag!
    Herzlich, Christian

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    • Britta Janssen
      Britta Janssen says:

      Hallo Maik Meid,
      Ich freue mich sehr, dass Ihr das Thema hier aufgreift, weil ich viele Ihrer Fragen teile. Leider funktioniert der o.a. Link bei mir nicht, dabei würde ich die Diskussion gerne mitverfolgen. Freundliche Grüße aus Kölle, Britta Janssen

      Antworten
      • Maik Meid
        Maik Meid says:

        Hallo Britta,
        danke für den Hinweis. Es liegt daran, dass die Diskussion im privaten Bereich bei Facebook läuft. Ich habe deine Anfrage gerade beantwortet. Es sollte jetzt funktionieren. Einen schönen Abend!

        Maik

        Antworten
  3. Jörg Eisfeld-Reschke
    Jörg Eisfeld-Reschke says:

    Oh, in der Diskussion hat sich hier seit gestern ja einiges getan. Nachdem in der letzten Fundstücke-Ausgabe auf die Studie von @Patrick Widera und mir Bezug genommen wird, möchte ich auch einige Gedanken dazu äußern:
    Sowohl die Vielfalt der Fundraising-Ausbildungen als auch die Anzahl der Fundraiser im deutschsprachigen Raum sind weit größer, als wir bis dato dachten. Ein weiteres Ergebnis ist, dass die Inhalte und Methoden in den Ausbildungen sehr ähnlich sind. Unterschiede liegen vor allem in Dauer, Preis, Betreuung und Laut Katja Deckert entspricht in Deutschland nur die Fundraising-Akademie den Standards der European Fundraising Association (EFA).

    Daraus ergeben sich für mich zunächst grundsätzliche Fragen:
    1. Wieso finden die EFA-Standards bislang so wenig Anklang?
    2. Sollten Standards nicht zunächst für die Ausbildung und die Ausbilder eingeführt werden?

    Was die konkreten Fragen zur Personenzertifizierung betrifft, möchte ich ergänzen:
    3. Warum sollten eineinhalb Jahre der richtige Bewertungszeitraum sein?
    4. Worin ist Eingrenzung der Gültigkeit der Zertifizierung auf drei Jahre begründet?
    5. Wird die fachliche Auseinandersetzung in Publikationen und Vorträge berücksichtigt? Wie ist deren Güte zu bewerten?

    Antworten
  4. Matthias Daberstiel
    Matthias Daberstiel says:

    Hallo Maik, hallo Jörg,

    Auf der letzten Mitgliederversammlung des DFRV im April 2012 wurde die Zertifizierung bereits angekündigt. Bin gespannt ob das bis April 2013 nun wirklich noch was wird. Zu unterscheiden ist die Zertifizierung für die Ausbildung durch die EFA und die Zertifizierung für Fundraiser, wie Maik sie begrüßt. Das bisher nur die Fundraising-Akadenmie die EFA-Zertifizierung erfolgreich absolviert hat, liegt wohl auch daran, das in anderen Ländern die Verbände die Zertifizierung der EFA offensiver umsetzen und ihre Mitglieder auf Ausbildungseinrichtungen hinweisen, die zertifiziert sind.

    Zusammen kommt die Ausbildungszertifizierung mit der Fundraiser-Zertifizierung zum Beispiel durch ein vor zwei Jahren bereits angedachtes Punktesystem das Ausbildungen aber auch Weiterbildungen wie Fundraisingtage und Tagungen bewerten könnte. Sozusagen Credit-Points für Fundraiser. Leider ist davon mittlerweile nichts mehr zu hören. Da wir als Fundraiser-Magazin auch seit Jahren Teilnahmezertifikate für unsere Fundraisingtage vergeben, würden wir uns hier sogar bemühen, denn es wäre ja auch ein Qualitätsnachweis für die Veranstaltung.
    Gefordert wäre an der Stelle eine transparente Diskussion über Qualitätsstandards, die bisher aber ausblieb. Für Veranstalter von Weiterbildungen ist die EFA Zertifizierung zu groß, aber der DFRV könnte hier gemeinsam mit der Akademie leistungsorientierte Standards setzen. Ich bleibe also gespannt auf die Vorschläge und transaprente Diskussion des Verbandes.

    Viele Grüße

    Matthias Daberstiel

    Antworten
  5. Jörg Eisfeld-Reschke
    Jörg Eisfeld-Reschke says:

    Hallo Matthias,

    die Zertifizierung von Fundraising-Ausbildungsträgen und von Fundraisern sind zwei Handlungsstränge mit dem gleichen Ziel: Exzellente Fundraiser. Daher finde ich es angebracht darüber nachzudenken, welcher Weg der wirksamere ist.

    Das Credit Point-System ist in der Funstücke 1-2013 beschrieben. Für die Teilnahme am DFRK soll es 5CP, für eintägige Fortbildungsveranstaltungen 3CP, Teilnahme anb halbtägigen Veranstaltungen 2CP und an kürzeren Veranstaltungen 1CP geben.

    Viele Grüße,
    Jörg

    Antworten
  6. Ricarda
    Ricarda says:

    Wir arbeiten uns im Jahr 2013 weiter voran!

    Unsere Ziele im Fundraising Verband sind gesteckt und weitere Meilensteine werden gesetzt. Heute haben wir weitere Rahmenbedingungen veröffentlicht, welche einige Fragen beantworten. Dennoch ein paar Antworten werden offen bleiben, denn die Einführung der Zertifizierung bleibt im ersten Jahr ein dynamischer Prozess. Wir alle haben ein Ziel – die Kultur des Gebens zu stärken – wir alle können es gestalten! Hier geht’s zum Link dazu: http://www.fundraisingverband.de/information/bildung-und-karriere/zertifizierung-als-fundraiser.html

    @Christian Gahrmann, Deine Gedanken sind willkommen – sehr gern können wir gemeinsam auf der Mitgliederversammlung darüber sprechen, denn die Einführung der Zertifizierung wurde von der Mehrzahl der Mitgliedern initiiert. Ich freue mich auf weitere Fragen, Anmerkungen und Gedankenanstöße.

    Antworten
    • Maik Meid
      Maik Meid says:

      Ja, einiges ist geklärt. Aber wie kommt ihr denn auf die Aussage, dass zertifizierte Fundraiser im Schnitt 17% mehr verdienen? Das kann ja nur aus internationalen EFA-Erhebungen stammen, da in Deutschland ja bislang gar nichts zertifiziert wurde. Wo kommt diese Zahl her?

      Antworten
  7. Matthias Daberstiel
    Matthias Daberstiel says:

    Für mich stellt sich eine ganz praktische Frage. Wieso müssen EFA-zertifizierte Akademie-Absolventen die auch im DFRV-Mitglied sind für 190 Euro ein Zertifikat erwerben? Warum ist man hier auf Verbandsseite nicht clever und gibt denen für drei Jahre das Zertifikat und kann so bis zum Kongress schon mit einigen hundert zertifizierten Fundraisern werben? Das wäre doch eine Chance das richtig gut zu etablieren! Wer das Zertifikat dann behalten will, legt das Geld bestimmt gut an und bildet sich in den drei Jahren auch weiter und erwirbt Credit Points. Wäre auch im Sinne der verbandseigenen Veranstaltungen mit CPs! Oder?

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